Mainz/Bonn/Port-au-Prince: 22.01.2010
Schulunterricht zwischen den Trümmern
Die beiden ersten Bilder zeigen die zerstörte Berufsschule ENAM der Salesianer Don Bosco vor dem Beben und nach dem Beben ...
Von Mara Braun: Mit zwei guten Nachrichten meldete sich gestern Ewald Dietrich, ehrenamtlicher Vorsitzender von Human Help Network e.V. (HHN): Aufgrund der AZ-Berichte über die Hilfe der Salesianer beläuft sich der Spenden-Kontostand bereits auf 25.000 Euro. Und: Von den zwölf Lastwagen mit Hilfesgütern, die nach Haiti unterwegs waren, sind inzwischen elf angekommen. Obwohl Nachbeben die Bevölkerung in Angst versetzt hätten, so Dietrich, zeigten "Hilfsbemühungen der internationalen Gemeinschaft erste Erfolge".
Angekommen ist der Hilfskonvoi der Salesianer Don Bosco in den beiden Don-Bosco Zentren in Petion-Ville und in Fleuriot. 3.500 Menschen haben hier in Zelten Zuflucht gefunden. Bei der Verteilung der Güter - Wasser, Lebensmittel, Medikamente - kam es laut Dietrich zu keinen kriminellen Vorfällen.
Die Sicherheitslage sei aber weiter katastrophal - so berichteten Salesianer, dass organisierte bewaffnete Truppen in den Slums Jagd auf Wellbleh machten, das den Menschen in ihren Behausungen als Dach dient. "Wir müssen sie gewähren lassen. Eine Verteidigung ist angesichts der Brutalität der Plünderer aussichtslos", so Salesianerparter Zucchi.
Alls wichtige Maßnahme der noch lebenden Salesianer in Port-au-Prince für überlebende Schüler und ihre Eltern soll jetzt laut Dietrich schnellstmöglich eine Großküche wieder aufgebaut werden, die vor dem Erdbeben die Menschen im Zentrum und den Slums mit warmen Mahlzeiten versorgte. Die zweite Maßnahme "klingt noch wie ein Wunsch, aber auch an den Wiederaufbau muss gedacht werden". Mut und Kraft der Salesianer sei ungebrochen. "Angst und Verzweiflung hat uns in den letzten Tagen fest im Griff, aber wir haben unser Lächeln nicht verlernt", so Pater Lephene.
Der Unterricht habe trotz der katastrophalen Lage wieder begonnen: Jeden Tag unterrichten die Salesianer und ihre Mitarbeiter in den Trümmern des Straßenkinderzentrums Lakou. Und: "Viele Leichen der etwas 500 verschütteten Kinder und Mitarbeiter konnten inzwischen geborgen werden."
Ein kostenloser MD11-Frachter der Lufthansa Cargo wird über den HHN-Partner HelpAlliance nach Santo Domingo fliegen und Pater Zucchi und Pater Lephene in der Berufsschule ENAM mit zwei Wasseraufbereitungsanlagen, die vom Technischen Hilfswerk bereit gestellt wurden, kurzfristig versorgt. "Ich freue mich sehr, das unser Netzwerk so gut funktioniert", so Dietrich.
Die beiden ersten Bilder zeigen die zerstörte Berufsschule ENAM der Salesianer Don Bosco vor dem Beben und nach dem Beben
Mainz / Bonn / Port-au-Prince 17.01.2010
Haiti: Mehr als 500 Kinder in Don Bosco Berufsschule getötet
Die Straßenkinderzentren und Schulen der Salesianer seien komplett zerstört. Die Don Bosco Berufschule ENAM ist total zerstört, viele Kinder und Lehrer sind darunter begraben. Man hat dort die anfänglich angenommene Zahl von Todesopfern mittlerweile von 200 auf über 500 erhöhen müssen.
Plünderer haben schon Computer und andere Wertgegenstände mitgenommen. Weitere Don Bosco Einrichtungen sind stark in Mitleidenschaft gezogen.
Die Salesianer schlafen derzeit in Autos, oder einfach im Freien. Es muss dringend für eine Verbesserung der Bedingungen gesorgt werden.
Benötigt werden: Essenskonserven, Trinkwasser, Schlafsäcke, Zelte, ein Ort zum Ausruhen, Bargeld.
Spenden zur Not- und Wiederaufbauhilfe bitte unter Kennwort: Haiti
Insgesamt 12 Lastwagen sind jetzt von La Vega in der Dominikanischen Republik losgefahren. Weitere Hilfslieferungen werden in der Don Bosco Einrichtung Barahona (nahe der Grenze Haiti) in der DomRep gesammelt. Es soll ein sicheres Lager entstehen. Von dort erfolgt dann die sukzessive Weiterlieferung nach Haiti - diese sind mit Mobiltelefonen jetzt ausgestattet, die auf erhöhten Plätzen meist auch gut funktionieren.
Inzwischen arbeitet das weltweite kirchliche Netzwerk des Ordens auf Hochtouren. Aus Österreich, der Schweiz, den USA, Italien, Frankreich, Spanien und vielen weiteren Ländern seien bereits Hilfszusagen eingetroffen, so Ewald Dietrich von der Kinderhilfsorgnisation Human Help Network e.V., die seit 15 Jahren zum Netzwerk des Ordens zählt.
„Die Armut der Menschen auf Haiti ist für uns in Deutschland unvorstellbar. Ich sah Menschen Dreck und Lehm essen und Kinder, die zu dünn zum Leben schienen.“ Mit Sorge erfüllt uns die unmittelbare Versorgung der Bevölkerung. „Schon jetzt hatten wir 26.000 Kinder, die in unseren Schulen ihre einzige Mahlzeit am Tag erhielten. Es gibt keinen funktionierenden Katastrophenschutz. Wir müssen mit dem schlimmsten rechnen.“
Das dritte Bild das zerstörte Salesianerbüro von Pater Zucci.
Die Salesianer Don Boscos auf Haiti
66 Salesianer Don Boscos sorgen an acht Standorten für das Wohl von Kindern und Jugendlichen. Die meisten Mitbrüder sind Haitianer.
Auf der ganzen Insel verteilt betreiben die Salesianer:
4 Jugendzentren
3 Pastoral- /Sozialzentren
3 Vor- /Grundschulen
2 weiterführende Schulen
2 Berufsbildungszentren
In Port-au-Prince betreiben die Patres:
eine Grundschule, über 600 Schüler erhalten täglich ein kostenloses Mittagessen
eine technische Berufsschule mit 1200 Auszubildenden
einen Kindergarten, hauptsächlich für Kinder Berufstätiger und alleinerziehender
Mütter
54 kleine Gehsteigschulen, die für Bildung in den Slums sorgen und ein
kostenloses Mittagessen für 9000 Schüler bereitstellen
das Straßenkinderzentrum Lakou-Lakay, das Straßenkindern eine erste Anlaufstelle gewährt und sie auf eine schulische und berufliche Ausbildung vorbereitet
ein Jugendzentrum, das täglich von mehr als 250 Jugendlichen besucht wird
Kurzer historischer Rückblick
Die Geschichte der salesianischen Präsenz auf Haiti geht auf das Jahr 1934 zurück. Der
damalige Präsident von Haiti, Élie Sténio Vincent, besuchte ein Don Bosco Werk in der
Dominikanischen Republik und war begeistert. Kurz danach bat er Mons. Pittini,
Erzbischof von Santo Domingo, ein ähnliches Zentrum in Port-Au-Prince aufzubauen.
Dank der Arbeit einiger salesianischer Missionare wurde im Jahr 1936 das erste Don
Bosco Werk auf Haiti gegründet: “Ecole Nationale des Arts et Métiers“. Diese
Berufsbildungsschule etablierte sich in wenigen Jahren dank des Engagements der ersten
Salesianer zur besten Schule der Nation. 1946 legte der erste haitianische Salesianer
seine Profess ab. Zwischen 1951 und 1955 erweiterten die Salesianer ihr Werk an zwei
weiteren Orten: Petion Ville und Cap-Haitien. Bei der Gründung gehörte Haiti zur SDBProvinz
„Mexiko-Antillen“, danach zur Provinz „Antillen“, zusammen mit Kuba, der
Dominikanischen Republik und Puerto Rico. Seit 1992 ist Haiti eine Visitatorie mit dem Namen „Beato Filippo Rinaldi“ mit Sitz in Port-Au-Prince.
Aktuell gibt es zehn Präsenzen. Davon sind drei Ausbildungshäuser, ein Vornoviziat, ein Noviziat und ein Postnoviziat. Aktueller Provinzial ist P. Jacques Charles SDB
Mehr Informationen über die Salesianer Don Boscos auf Haiti und aktuelle Updates finden Sie unter:
www.sdb.org















