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Norduganda – Alltag im Flüchtlingslager Palabek

05.12.2017 – von Clarissa Dietrich - Vor einigen Tagen durfte ich mit Dominique Kronsbein, dem Projektkoordinator von Human Help Network für Ruanda/Uganda, das Flüchtlingslager Palabek im Norden Ugandas besuchen. Nach ungefähr neun langen Stunden Autofahrt erreichten wir Kitgum, einen ugandischen Distrikt, der nahe der südsudanesischen Grenze liegt.

Norduganda – Alltag im Flüchtlingslager Palabek

Aus dem Südsudan flüchteten in den letzten Monaten unzählige Menschen aus Angst um ihr Leben. Manche konnten geplant flüchten und ihr Hab und Gut wenigstens zum Teil mitnehmen, andere wurden bei der Arbeit durch Schüsse überrascht und mussten sofort, nur mit dem, was sie am Körper tragen konnten, um ihr Leben laufen.

 

Dabei haben nicht wenige dieser Flüchtlinge zusätzlich hilflos zurückgelassene Kinder, die sie auf dem Weg gefunden hatten, auf ihrer Flucht mitgenommen. Diese Menschen versuchen, sich nun ein neues Leben in den Flüchtlingslagern aufzubauen. Das in der Stadt Palabek durfte ich mir näher anschauen.

 
Zunächst ein paar Fakten: Die Gesamtfläche beträgt 864 Quadratkilometer, die in acht Zonen aufgeteilt ist. Es befinden sich aktuell dort 34.000 Menschen, davon sind circa 60 Prozent unter 12 Jahren. Lediglich 2 Prozent der Geflüchteten sind über 50 Jahre alt (Die Lebenserwartung der Ugander liegt zurzeit bei durchschnittlich 55 bis 57 Jahren). 86 Prozent sind Kinder und Frauen.

 

Es gibt zwei Gesundheitszentren im gesamten Camp, die von Krankenschwestern betrieben werden. Ärzte kommen nur wenige Male im Monat vorbei. Die Menschen erhalten durch die Zentren Zugang zu kostenfreien Medikamenten.

 
Acht Primarschulen befinden sich auf der Fläche des Camps verteilt. Manchmal sind sie jedoch so weit von den Hütten entfernt, dass die Kinder drei bis sechs Kilometer zur Schule laufen müssen. Sekundarschulen und Kindergärten gibt es bisher keine. Zusammen mit Red Charity unterstützt Human Help Network daher Father Arasu von den Salesianern Don Boscos, sodass dank der Spenden aus Europa der Aufbau von vier Kindergärten im Lager Palabek finanziert werden kann. Die Salesianer werden diese Kindergärten betreiben und durch weitere sinnvolle Kleinprojekte ergänzen.

 
Einmal im Monat bekommt jede Person eine Essensration vom UN World Food Programme, einer der großen Hilfsorganisationen, die hier tätig sind. Eine Ration besteht aus elf Kilogramm Posho (Maisbrei), drei Kilogramm Bohnen, einer Tasse Zucker und einer Flasche Öl (circa fünf Liter). Jede Familie bekommt nach der Ankunft im Camp ein Stück Land von 900 Quadratmetern zugeteilt. Dazu Planen und Holz, um sich einen ersten Unterstand zu bauen, sowie ein Starterpaket bestehend aus Töpfen, Pfannen und Waschmittel. Die Menschen dürfen das ihnen zugeteilte Land bepflanzen und frei gestalten. Durch den Anbau von Gemüse kann eine ausgewogenere Ernährung von den Menschen selbst in die Hand genommen werden. Zudem ist der Gemüseanbau eine sinnvolle Tagestätigkeit, insbesondere da viele nicht wissen, was sie mit ihrem Tag anfangen sollen.

 
Ich konnte beobachten und durch Gespräche herausfinden, dass sich die Menschen untereinander sehr viel helfen. Durch Zonensprecher können Entscheidungen wie beispielsweise die Nutzung von Land als „offene Kirchenplätze“ von der breiten Masse der Menschen getragen und mitgelenkt werden.

 
Es war eine sehr intensive Erfahrung, ein Flüchtlingslager zu besuchen und einen Einblick in Aufbau und Struktur zu erhalten. Vor allem die vielen Kinder zu sehen und sich vorzustellen, wie viele Kilometer sie zurücklegen mussten, um aus einem Kriegsgebiet zu flüchten, und welche Strapazen sie dabei auf sich genommen hatten, ging mir sehr ans Herz.
Ich finde es schwierig, ein „Fazit“ aus meinem Besuch zu ziehen, da ich mich irgendwie machtlos fühle. Trotzdem geht mit der Traurigkeit auch Dankbarkeit einher. Für mein persönliches, reiches Leben. Wir besitzen ein unbezahlbares Privileg – nein, nicht nur eines: Wir leben in Frieden, wir haben ein Dach über dem Kopf, wir dürfen zur Schule gehen; unsere größte Sorge ist, was wir heute essen wollen oder welches von den 183.630 Kleidungsstücken wir heute anziehen wollen.

 
Das Flüchtlingslager bei Palabek zeigt, wie wichtig und notwendig es ist, sich über die eigene Lebenssituation bewusst zu werden – dies insbesondere angesichts der oftmals sehr harten Schicksale und Lebensgeschichten vieler Menschen an anderen Orten der Welt.

 

Ein Bericht von Clarissa Dietrich







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