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Eine Aussicht auf Zukunft

Ruanda ist das Hauptprojektland von Human Help Network e.V. (HHN) in Afrika. 1994 fand in dem kleinen, dicht bevölkerten Binnenstaat in Ostafrika ein Genozid statt, der innerhalb von 100 Tagen schätzungsweise 800.000 Menschen das Leben kostete. Noch heute sind die Folgen prägend: Ein ganzes Land ist traumatisiert, traditionelle soziale Sicherungssysteme sind stark beschädigt. In Sachen wirtschaftliche Entwicklung hat sich zwar seit dem Völkermord einiges getan, allerdings profitiert hiervon nur eine sehr kleine Bevölkerungsschicht. Der Großteil der Ruander hingegen lebt in Armut. Die Ärmsten der Armen sind Frauen und Kinder – vor allem Waisen und alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern.

1982 begründeten Rheinland-Pfalz und Ruanda eine gemeinsame Partnerschaft. Seit 1990 finanziert Human Help Network dort verschiedene Sozial- und Bildungsprojekte. 2006 wurde Human Help Network Ruanda in Kigali, der Hauptstadt Ruandas, gegründet. Vier Jahre später begann ein Fusionsprozess mit der lokalen ruandischen Organisation Strive Foundation Rwanda (SFR). Seit 2015 ist Strive Foundation Rwanda selbstständiger Rechtsträger aller Projekte von Human Help Network in Ruanda. Gemeinsam haben wir unsere soziale Projektarbeit ausgebaut.

In Ruanda fördern wir aktuell folgende Projekte:

Im Südwesten Ruandas, in den Distrikten Nyamasheke und Rusizi, unterstützt Human Help Network rund 300 Kinderfamilien mit insgesamt etwa 800 Kindern. Eine Kinderfamilie besteht aus Geschwistern, die beide Elternteile verloren haben, meist durch HIV/Aids oder Malaria. Sie leben ganz auf sich selbst gestellt in einer Lehm-oder Holzhütte auf dem Land, oftmals unter katastrophalen Wohnverhältnissen. Das älteste Kind übernimmt in der Regel die Aufgaben der Eltern und die Versorgung der jüngeren Geschwister.

In die Rolle des Familienoberhauptes geraten diese „älteren“ Kinder ohne jede Vorbereitung und so sind sie meist völlig überfordert. Sie wissen nicht, wie sie die Familie ernähren und wie sie ihren Alltag organisieren sollen. Oftmals brechen die Familien dann auseinander und die noch jungen Familienmitglieder enden als Straßenkinder in den Städten Ruandas. Junge Mädchen sind hier besonders gefährdet. Armut, Gewalt, Missbrauch und fehlende Aufklärung führen dazu, dass viele von ihnen früh und ungewollt schwanger werden. Kinder, die in diesen Verhältnissen aufwachsen, haben wenig Aussicht auf eine bessere Zukunft.

Zusammen mit dem lokalen Projektpartner Strive Foundation Rwanda hat Human Help Network ein komplexes Konzept von Hilfsmaßnahmen für diese Kinderfamilien entwickelt, sodass die Grundbedürfnisse der Jungen und Mädchen abgedeckt werden können: Ernährung, Wohnsituation, Gesundheitsversorgung und Schul- bzw. Berufsausbildung. Daneben erhalten die Kinder psychologische und soziale Betreuung, die Alltagsorganisation und Konfliktbewältigung ermöglichen, landwirtschaftliche Beratung sowie Hilfe durch Einkommen schaffende Maßnahmen.

Human Help Network unterstützt diese Kinder beim Heranwachsen und in der Ausbildung und legt somit den Grundstein zur Eigenständigkeit. Ziel ist es, dass sie einen festen Platz in der ruandischen Gesellschaft finden.

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Ruanda ist von der Altersstruktur seiner Bevölkerung ein sehr „junges Land“ – fast 80 Prozent der Bevölkerung ist unter 35 Jahre alt. Doch Themen wie Sexualität, Verhütung und Familienplanung sind strenge gesellschaftliche Tabus, über die niemand spricht. Eine altersgerechte Aufklärung findet nicht statt, weder in der Familie noch in der Schule. Die heranwachsenden Jugendlichen bleiben sich selbst überlassen – häufig kommt es zu frühen ungewollten Schwangerschaften im Teenageralter. Die minderjährigen Mütter haben es in der Folge schwer, insbesondere auf dem Land. In der Gesellschaft sind sie stigmatisiert, von der eigenen Familie werden sie oftmals verstoßen.

Im Rahmen der von der WHO formulierten Forderungen zum Thema „Adolescent Sexual Reproductive Health and Rights - ASRHR” (Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte für Jugendliche) hat Human Help Network e.V. zusammen mit Strive Foundation Rwanda (SFR) 2018 ein neues Konzept entwickelt und das YEWE-Theaterprojekt an ruandischen Sekundarschulen eingeführt. Im Mittelpunkt stehen dabei gesundheitliche und insbesondere sexuelle Aufklärung sowie die Förderung sozialer Kompetenzen.

Im Theaterspiel zeigen die Jugendlichen das, was sie berührt, auf der Bühne. Sie sprechen über ihre Nöte und Sorgen, ihren alltäglichen Kampf um Anerkennung, aber auch über absolute Tabuthemen wie Sexualität, Verhütung, Schutz vor Krankheiten und ungewollte Schwangerschaften. Im Theaterspiel werden die Probleme benannt, spielerisch thematisiert und aufgearbeitet und mögliche Lösungen aufgezeigt.

Die Zusammenarbeit innerhalb der Theatergruppe fördert auch das Verständnis von Gleich­berechtigung zwischen den Geschlechtern. Die Mädchen und Jungen agieren auf Augenhöhe – ein wichtiger Punkt, der den jungen Frauen Anerkennung gibt und ihnen hilft, ihren Platz in der Gesellschaft zu behaupten. Die Teilnahme am YEWE-Theaterclub ist freiwillig, unterstützt werden die Jugendlichen jeweils von einem Lehrer.

Bislang wurde das Projekt an zehn Sekundarschulen in den Distrikten Nyamasheke und Rusizi mit großem Erfolg durchgeführt. Die Aufführungen der YEWE-Clubs an den Schulen erhalten viel positive Resonanz: Die jungen Menschen fühlen sich von den Themen angesprochen und mit ihren Problemen verstanden. Auffällig ist, dass die Zahl der Teenager-Schwangerschaften an den teil­nehmenden Schulen rückläufig ist: Von Anfang 2017, ein Jahr vor Einführung der YEWE-Clubs, bis Ende 2019 ist sie von 39 auf 14 gesunken. Das Theaterprojekt soll an weiteren Schulen Ruandas eingeführt werden.

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Frauen oder junge Mädchen, die unehelich schwanger werden es oft schwer in der ruandischen Gesellschaft. Sie leben auf sich alleine gestellt – von der Familie erhalten sie meist keine Unterstützung. Da die Frauen häufig keine abgeschlossene Ausbildung haben, müssen viele ihr Geld auf der Straße verdienen, beispielsweise durch Gelegenheitsjobs, Betteln oder Prostitution, um ihr Überleben und das ihrer Kinder zu sichern. Sie führen ein Leben in Armut und Abhängigkeit. Die Kinder leiden an Mangelernährung, gehen nicht zur Schule, haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung.

Human Help Network e.V. hilft diesen bedürftigen Müttern, sich in Kooperativen zusammenzuschließen: So können sie ihre Kräfte bündeln und sich durch ihre gemeinsame Arbeit selbst eine Einkommen schaffende Maßnahme aufbauen. Human Help Network unterstützt sie dabei mit einem Startkapital. Neben der finanziellen Förderung findet aber auch eine intensive Beratung und Betreuung vor Ort statt. Ziel ist es, für diese besonders bedürftigen Frauen ein höheres und dauerhaftes Einkommen zu sichern, sodass sie ein Leben in Selbstständigkeit und Eigenverantwortung führen können und sie und ihre Kinder eine Aussicht auf Zukunft haben.

Bereits seit 2003 unterstützt Human Help Network den Aufbau von Kooperativen für alleinerziehende Mütter im Distrikt Huye, im Süden Ruandas. Die Frauen produzieren und verkaufen Erzeugnisse ganz unterschiedlicher Art. Neben Backsteinziegeln und Bienenhonig stellen sie ruandisches Kunsthandwerk her; sie bauen Reis und Gemüse an, züchten Schweine, Ziegen und Fische.

Derzeit werden zwei Kooperativen im Distrikt Huye unterstützt: Tumba und Amahoro. Die Tumba-Kooperative produziert Backsteinziegel, Amahoro hat sich, nachdem die Frauen dort zunächst hauptsächlich Gemüse anbauten, mittlerweile auf Fischzucht spezialisiert.

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Ruanda hat in den letzten Jahren einen enormen Wandel erfahren. Mit moderner Infrastruktur soll sich das Land zu einem Standort innovativer Technologien und Dienstleistungen entwickeln. Deutlich spürbar ist dies vor allem in der Hauptstadt Kigali.

Die Innenstadt dort entwickelt sich mehr und mehr zu einem kommerziellen Geschäfts-, Kongress- und Bürozentrum mit großen Hotels. Schritt für Schritt werden daher die Wohnquartiere, die alten Marktzentren, der Busbahnhof und das industrielle Gewerbe in die Außenbezirke der drei Stadtteile Kicukiro, Nyarugenge und Gasabo umgesiedelt. Dabei entwickelt sich der flächenmäßig größte Stadtteil Gasabo mit neuen Industrie- und Wirtschaftsansiedlungen zur am dichtesten besiedelten Region.

Der größte Teil der ursprünglich in der Innenstadt lebenden Bevölkerung Kigalis wurde nach Gasabo umgesiedelt – nicht mit gezogen sind jedoch die Schulen der Kinder. Dies bedeutet, dass sich die Schulwege gewaltig verlängert und die Fahrtkosten dementsprechend zugenommen haben. Für viele Familien wird der Schulbesuch der Kinder zum Problem. Zwar wurde in Ruanda 2009 eine verpflichtende und schulgeldfreie neunjährige Grundbildung, die mittelfristig auf 12 Jahre erweitert werden soll, eingeführt, abgedeckt sind hier aber nicht die Schulmaterialien oder gegebenenfalls anfallende Fahrtkosten zur Schule. Viele der nach Gasabo umgesiedelten Familien können nach ihrem Umzug die gestiegenen Kosten für die Busfahrt zur Schule für ihre Kinder nicht mehr aufbringen.

Human Help Network e.V. hat zusammen mit Strive Foundation Rwanda schnell auf diese Ent­wicklungen reagiert und entwickelte Pläne, im direkten Umfeld, gleich neben dem Kinderschutz­büro der Strive Foundation in Gasabo, Bildungsangebote auch für Geringverdiener und Alleinerziehende anzubieten.

Bereits im Januar 2018 wurde der IMANZI Kindergarten City of Mainz eröffnet, eine Ganztagseinrichtung mit 105 Plätzen. Im vergangenen Jahr wurde mit dem Neubau der IMANZI Primary School begonnen, Unterrichtsbeginn ist hier für Januar 2021 geplant. Darüber hinaus soll mittelfristig das Schulangebot noch um eine technische Sekundarschule erweitert werden. Das Konzept sieht vor, ein Drittel der vorhan­denen Plätze aller Schulformen für Kinder aus benachteiligten Familien vorzuhalten, gefördert über Stipendien. Ziel ist es, ein ganzheitliches Bildungs- und Kinderschutzzentrum zu schaffen, das von Kindern und Jugendlichen aus allen gesellschaftlichen Schichten besucht wird.

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Bereits 1994, direkt nach dem Genozid, hat Human Help Network mitgeholfen, das große Berufsbildungszentrum „Centre des Jeunes Gatenga“ der Salesianer Don Boscos in Kigali wiederaufzubauen. Diese Partnerschaft besteht noch heute; bietet doch gerade dieses Projekt die Grundlage für eine qualifizierte Ausbildung in diversen Berufsfeldern sowie viele soziale Angebote.

Im „Centre des Jeunes Gatenga“ werden über 1.500 Kinder und Jugendliche betreut. Speziell für Jugendliche, deren Familien sehr arm sind und die zu Hause nicht leben können, besteht die Möglichkeit, in einem Internat vor Ort zu wohnen. Hier stehen 110 Plätze zur Verfügung.

Etwa 240 Jugendliche besuchen das Berufsbildungszentrum. Hier werden sie praxisbezogen und effizient auf ihren Beruf vorbereitet. Es werden Ausbildungen in den Bereichen Kochen, Hotelfach, Landwirtschaft, Klempnerei, Maurern, Schreinerei und Schweißen angeboten. Daneben besteht auch die Möglichkeit, einen technischen Sekundarabschluss in Bau und Elektrik zu erwerben.

Neben schulischer und beruflicher Bildung liegt ein wesentlicher Schwerpunkt im „Centre des Jeunes Gatenga“ auf den Freizeitangeboten. So bietet das Zentrum verschiedene Sport- und Musikaktivitäten, die auf regen Zuspruch stoßen. Zum Spielen, Sportmachen, Trommeln und Tanzen kommen auch viele Kinder und Jugendliche aus der Nachbarschaft zum Zentrum und nutzen die kostenlosen Angebote.

Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen in einen geregelten Schul- und Freizeitalltag einzubinden. Die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen, eröffnet ihnen den Start in ein selbständiges Leben.

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In Deutschland wird Human Help Network seit 2003 von seinem festen Partner Aktion Tagwerk e.V. mit der bundesweiten Schülerkampagne „Dein Tag für Afrika“ unterstützt.


Videobeiträge aus Ruanda

 


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